Religionen in Deutschland

Auch wenn Deutschland eine weitgehend christlich geprägte Gesellschaft hat, sind nur rund 55% der Bevölkerung Mitglied in einer der Amtskirchen und zahlen Kirchensteuer.

Katholiken und Protestanten

Die beiden etablierten Großkirchen in Deutschland sind die römisch-katholische Kirche (Katholiken) und die evangelische Kirche (Protestanten). Sie werden auch als Amtskirchen bezeichnet und dürfen u.a. Kirchensteuer einziehen. Der Anteil der Kirchenmitglieder in der bundesdeutschen Bevölkerung ist 2015 auf 28,9 bei den Katholiken beziehungsweise auf 27,1 Prozent bei den Protestanten gesunken. Die etablierten Kirchen haben seit über 40 Jahren starke Verluste in den Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Insgesamt gehören rund 34% der bundesdeutschen Bevölkerung gar keiner Religionsgemeinschaft an und gelten als konfessionslos.
Die römisch-katholische Kirche ist in Deutschland in 27 Diözesen eingeteilt. Der Katholizismus ist besonders im Südwesten der Republik verbreitet. Zwischen 2005 und 2013 war das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein gebürtiger Deutscher, Papst Benedikt XVI.
Zu den evangelischen Kirchen in Deutschland gehören die lutherische Kirche sowie unierte- und evangelisch-reformierte Landeskirchen. Die Reformation begann mit Martin Luther im 15. Jahrhundert. Die evangelischen Kirchen sind traditionell mehr im Norden und im Nordosten des Landes verbreitet.
Das deutsche Grundgesetzt garantiert die Religionsfreiheit, d.h. die freie Auswahl einer Konfession. In der ehemaligen DDR war die Religionszugehörigkeit zwar nicht verboten, wurde aber auch nicht gefördert.

Kirchensteuer

Neben den beiden Großkirchen erheben in Deutschland auch die alt-katholischen Kirche, die freireligiösen Gemeinden, die Unitarier, die freien Protestanten und die jüdischen Gemeinden eine Kirchensteuer. Die Kirchensteuer ist ein Zuschlag auf die bereits berechnete Einkommensteuer und liegt normalerweise bei 8-10 Prozent. Die Religionsgemeinschaften finanzieren mit der Kirchensteuer ihre eigenen Infrastrukturen wie Kinderkärten und Gemeindehäuser. Auf der anderen Seite ist die Zahlung der Kirchensteuer für viele ehemalige Mitglieder der Hauptgrund, warum sie sich entschlossen haben ihre Glaubensgemeinschaft zu verlassen.

Muslime in Deutschland

2006 sagte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in seiner Eröffnungsrede zur ersten Islamkonferenz in Deutschland, dass der Islam ein Teil von Deutschland und Europa sei. Eine ähnliche Aussage stammt von Bundespräsident Christian Wulff, der zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit sagte, dass das Christentum zweifelsfrei zu Deutschland gehöre. Ebenso gehöre das Judentum zu Deutschland. Beides sei Teil unserer christlich-jüdischen Geschichte. Aber auch der Islam sei inzwischen fester Bestandteil Deutschlands.
In Deutschland leben heute ca. 6-7 Millionen Muslime. Durch die starke Zuwanderung von Flüchtlingen ist die Tendenz weiter stark steigend. In manchen Großstädten werden mehr muslimische als christliche Kinder geboren. Die Anzahl der Moscheen steigt ebenfalls ständig. In wenigen Jahren werden die Muslime rund 10 Prozent der Bevölkerung Deutschlands ausmachen. Der Anteil an Juden, Hindus und Buddhisten ist dagegen mit nur 3 Prozent wesentlich geringer.