Frauen in der deutschen Gesellschaft

 

Die drei „K”

Jahrhunderte lang war das deutsche Frauenbild von den sogenannten drei „K” bestimmt: Kinder, Küche und Kirche. Die Frau stand hinter dem Kochtopf, richtete den Haushalt und zog die Kinder groß. Am Wochenende ging sie brav in die Kirche. Zusätzlich betätigte sich die Frau traditionell auch als Näherin der gesamten Familienkleidung, was manchmal mit einem vierten „K” für Kleidung bedacht wird. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich diese Rolle langsam zu wandeln.

Wahlrecht und Emanzipation

Dem Erlangen des Stimmrechts der Frauen bei politischen Wahlen war ein langer Kampf der weltweiten Frauenbewegung vorausgegangen. Als erster Staat in Europa etablierte Finnland 1906 sowohl das aktive wie auch das passive Frauenwahlrecht. Als Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland gilt der Aufruf vom „Rat der Volksbeauftragten” im November 1918.  In Deutschland konnten Frauen somit Anfang 1919 das erste Mal bei demokratischen Wahlen an die Urnen treten.
Wie überall war die Frauenbewegung auch in Deutschland eng mit der Arbeiterbewegung verknüpft. Frauen wollten nicht länger nur Hausarbeit verrichten, sondern bekleideten im Zuge der zunehmenden Industrialisierung zusätzlich wichtige Stellen in der Produktion. Dies führte in der deutschen Gesellschaft zur Emanzipation der Frau.

Frauen im 2. Weltkrieg

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Frauenbewegung in Deutschland verboten. Frauen sollten möglichst viele Kinder gebären und sich der männlichen Dominanz unterordnen. Frauen mit vielen Kindern wurden mit dem Mutterkreuz ausgezeichnet (ab 4 Kindern). Gleichzeitig wurden die deutschen Frauen aus ihren Berufen gedrängt und bekamen das passive Wahlrecht abgesprochen. Erst im späteren Verlauf des 2. Weltkriegs, als Arbeitskräfte im Land knapp wurden, begannen die Nazis auch Frauen für die Arbeit zu verpflichten.

Frauen in der Gegenwart

Heute besetzen Frauen in Deutschland führende Positionen in der Politik, im Staat und auch in der Wirtschaft. Frauen haben in Bezug auf Bildungsabschlüsse und Erwerbsquoten stark aufgeholt. Trotzdem besteht in Sachen Gleichberechtigung noch weiterer Reformbedarf in Deutschland: Frauen verdienen in gleichen Berufen in der Wirtschaft häufig weniger als ihre männlichen Kollegen. Führungspositionen in großen Konzernen sind weitaus öfter mit Männern als mit Frauen besetzt. Auch übernehmen Frauen in Deutschland weiterhin einen Großteil der unbezahlten Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeiten. Im Rahmen des modernen Gender Mainstreaming wurde inzwischen eine politische Strategie etabliert, die auf die komplette Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen zielt.